Gleich neben dem Eingang der Grabeskirche führt eine steile Treppe hinauf zur
Golgata-Kapelle. Die rechte Seite, zum Vorplatz der Kirche hin, gehört den
Katholiken; hier wird der XI. Station des Kreuzwegs, der Kreuzannagelung, gedacht,
und eine Büste der "Mater dolorosa" erinnert an das Leid Marias beim Tod
ihres Sohnes und an die XIII. Station: der Leichnam Jesu wird vom Kreuz abgenommen
und in den Schoß der Mutter gelegt.
Auf der linken Seite wird in der griechisch-orthodoxen Kapelle der Ort verehrt,
an der das Kreuz Jesu stand; dies ist zugleich die XII. Kreuzwegstation, die an den
Tod Jesu am Kreuz erinnert. Hier steht ein Altar, unter dem eine emaillierte
Silberplatte die genaue Stelle markiert; durch ein Loch in der Mitte kann man in
eine Aushöhlung des Felsens greifen, in der der senkrechte Kreuzesbalken gestanden
haben soll. Links und rechts des Altars ist durch eine Glasverkleidung der
Golgata-Felsen zu sehen: ein vom Fußbodenniveau der Grabeskirche aus etwa 3 Meter
hoher Felsen, der in dem Steinbruch, der sich einmal hier befand,
stehen gelassen worden war, wohl weil der Kalkstein hier für Bauzwecke zu weich
war.
Pilger knien unter dem Altar nieder, küssen die Silberplatte, berühren den Felsen,
stellen in den sandgefüllten Leuchterschalen links und rechts Kerzen auf - und
lassen sich an den Altar gelehnt fotografieren. Ständig ist ein griechischer Mönch
da, versorgt die Öllämpchen, putzt die Glasverkleidung des Felsens - und weist
Pilger und Touristen, die sich danebenbenehmen, zurecht. Zeitweise drängen sich die
Gruppen, manchmal wird es dazwischen eine Zeitlang still.
Von vielen, die nur kurz hier waren, habe ich gehört, daß sie
enttäuscht waren. Ich habe viele Stunden hier verbracht, und für mich ist es ein
"heiliger Ort" geworden - ganz egal, ob "es wirklich hier war"
oder nicht.
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