Ob die Grabeskirche tatsächlich an der Stelle Jerusalems steht, wo Jesus gekreuzigt
und begraben wurde und am dritten Tag auferstand, ist umstritten. Die Bibel gibt
einige wenige Hinweise - der Ort der Kreuzigung lag vor der Stadt, und in der Nähe
lag ein Garten, in dem Gräber angelegt waren. Ob die Stelle der Grabeskirche zur
Zeit Jesu außerhalb der Stadt lag, ist nicht klar; dafür spricht, daß sich in diesem
Bereich, einem ehemaligen Steinbruch, Gräber aus hellenistischer und römischer Zeit
finden. Sicher ist, daß sich seit der Zeit Kaiser Hadrians hier ein
römischer Tempel befand, den Konstantin durch die Anastasis, die Auferstehungskirche,
ersetzen ließ, die 336 eingeweiht wurde. Ob er damit an alte Ortstraditionen
anknüpfte, die die Erinnerung an die heiligen Stätten bewahrt hatte, oder der Ort
von Helena, der Kaiermutter, der die Legende die Auffindung der Orte und des
Kreuzes Christi zuschreibt, mehr "erfunden" als "gefunden" wurde,
ist heute ebenfalls umstritten - die Frage bleibt, wie bei allen "heiligen
Stätten", ob das wirklich wichtig ist...
Der prächtige Bau Konstantins war weit größer als die heutige Grabeskirche. Wie heute
umgab eine Rotunde das heilige Grab; an ein offenes Atrium, in dem der Golgatafelsen
lag, schloß sich eine Basilika, das Martyrion, mit einer Eingangsanlage an; der
Zugang lag am Cardo, dem heutigen
Gewürzsuq, wo die konstantinische Schwelle noch im Lager des
Zuckerbäckers Zalatimo erhalten ist.
Die Kirche wurde 614 von den Persern zerstört, dann
notdürftig wieder aufgebaut, verfiel, wurde zweimal von Muslimen zerstört und
schließlich ab 1140 von den Kreuzfahrern neu gebaut: dieser Bau ist, bis auf
die Grabrotunde, die nach einem Brand im 19. Jahrhundert ersetzt werden mußte, und
den Glockenturm, der ursprünglich drei Stockwerke höher war, die Grabeskirche, wie
wir sie heute sehen.
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